Aus kirchlicher Sicht bedeutet starke Nachhaltigkeit, dass Naturkapitalien wie natürliche Umwelt, Tiere, Pflanzen und Rohstoffe und Naturgüter wie Boden, Luft und Wasser erhalten bzw. gestärkt werden müssen. Landwirtschaft nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Eine nachhaltige Landwirtschaft muss daher von Ökologie, Sozialverträglichkeit, Multifunktionalität, Vielfalt, artgerechter Tierhaltung, Regionalität und einer Ökonomie, die dem Leben dient, geprägt sein. Multifunktionalität kennzeichnet dabei eine Agrikultur, die Lebensmittel für die Verbraucher*innen, Existenzgrundlage und Einkommen für die Erzeuger*innen und eine Vielzahl von öffentlichen und privaten Gütern für die Bürger*innen und ihrer Umwelt samt funktionierendem Ökosystem bereitstellt. Seit der Einführung der Agenda 2030 mit ihren 17 UN-Nachhaltigkeitszielen hat auch die internationale Dimension im Bereich nachhaltige Landwirtschaft erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Anwendung der Agenda 2030 bezogen auf die Landwirtschaft in Deutschland bedeutet, dass negative Auswirkungen auf Menschen und Natur in anderen Ländern zu vermeiden sind. Eine weltweit nachhaltige Landwirtschaft muss deshalb mit einer Ernährungswende hin zu einer „Ethik des Genug“ einhergehen.

 

 

Bodenschutz oder Boden-Burnout?

degradierter Boden, Foto: D. Hillerkus

Die beiden großen Kirchen in Deutschland sind nach der öffentlichen Hand die größten Landbesitzer. Die land- und forstwirtschaftlich verpachteten Flächen der Evangelischen Kirche in Deutschland betragen rund 325.000 Hektar.
In den letzten Jahren ist die Frage nach der Art der Bewirtschaftung dieser Flächen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Entspricht eine Landnutzung mit Monokulturen (Maiswüsten), intensivem Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden noch den Kriterien der Bewahrung der Schöpfung?
Der Podcast von NDR Info geht dieser Frage nach und stellt kritische Fragen an Kirchenlandverpächter. Gleichzeitig wird anhand von Beispielen berichtet, dass einige Kirchengemeinden - gemeinsam mit den Pächter*innen - bei der Landverpachtung einen anderen, ökologischeren Weg gehen.

 

 

EU-Agrarreform kein Systemwechsel für besseren Klimaschutz

"Erfolg der neuen Öko-Programme hängt stark von den nationalen Regierungen ab"

epd-Gespräch: Thomas Krüger, 26.10.2020

Schwerte (epd). Der Agrarexperte der westfälischen Kirche, Dirk Hillerkus, bewertet das Reformkonzept der EU-Landwirtschaftsminister für die europäische Agrarpolitik skeptisch. Es handele sich, anders als von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) dargestellt, "keineswegs um einen Systemwechsel" für verbesserten Umwelt- und Klimaschutz, sagte der Agraringenieur Dirk Hillerkus in Schwerte dem Evangelischen Pressedienst (epd). Weiterhin zahle die Europäische Union 390 Milliarden Euro "unabhängig von der Bewirtschaftungsweise nach dem Gießkannenprinzip" aus, kritisierte Hillerkus.
Der Referent für nachhaltige Landwirtschaft des Instituts für Kirche und Gesellschaft unterstützte die Forderung der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina, die Direktzahlungen der EU an landwirtschaftliche Produzenten direkt an messbare Umweltleistungen zu koppeln und rein flächengebundene Subventionen abzuschaffen. 20 Prozent der Agrarbetriebe, große Holdings, kassierten 80 Prozent der Direktzahlungen, monierte Hillerkus.
Bei einem zentralen Punkt der Agrarreform, den Bedingungen für höhere Umwelt- und Klimaleistungen der Landwirtschaft, fielen die EU-Minister hinter die bestehende Regelung zurück, erklärte der Agarexperte. Bereits mit der jetzigen Agrarpolitik würden auf neun Prozent der Ackerfläche in der EU Zwischenfrüchte angebaut oder Brachen angelegt, um Überproduktion zu verhindern. Die Konditionen für die laut dem Konzept künftig an Umweltprogramme gebundenen 20 Prozent der Direktzahlungen sähen jedoch nur einen Mindestanteil von fünf Prozent an nicht-produktiven Flächen oder für Zwischenfrüchte vor, beklagte Hillerkus.
Nach dem Kompromiss der Agrarminister hänge es stark von den nationalen Regierungen ab, ob die Öko-Programme wirklich klima- und umweltdienlich seien, sagte Hillerkus weiter. Diese sollten zwar über "relevante Mindeststandards" hinausgehen, was aber nicht genau definiert werde. Zudem dürften die Programme neben Umwelt und Klima auch dem "Wachstum der Wirtschaft" dienen. So könnten in den ersten beiden Jahren nach Inkrafttreten der neuen Regeln Gelder beispielsweise für den Bau neuer Ställe ausgegeben werden, sofern das nationale Budget für die Öko-Programme von den Landwirten nicht ausgeschöpft wird, befürchtet der Fachmann.
 Hillerkus sprach sich für ein kontinuierlich steigendes Budget der EU für die klima- und umweltrelevanten Maßnahmen bis 2027 aus: Dies würde "einen wirklichen Push bedeuten." Die Förderung der Landwirtschaft mit öffentlichen Mitteln solle "konsequent an gesellschaftlich erwünschten Leistungen" wie Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Erhalt von Artenvielfalt oder Pflege von Kulturlandschaften ausgerichtet sein. "Das können familiengeführte Betriebe am besten leisten", sagte der Referent.
Auch Verbraucher sollten sich vergegenwärtigen, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Landwirtschaft ausüben, wenn sie regionale, saisonale und Bio-Produkte, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung sowie fair gehandelte Waren kaufen, betonte Hillerkus. Den Bürgern komme durch ihren Lebensstil "eine erhebliche Verantwortung" für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen zu.

 

 

Zukunftsfähige Landwirtschaft

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist von Ökologie, Sozialverträglichkeit, Vielfalt, artgerechter Tierhaltung, Regionalität und einer Ökonomie, die dem Leben dient, geprägt. Sie ist multifunktional, indem sie gleichzeitig Lebensmittel für die Verbraucherinnen und Verbraucher, Existenzgrundlage für die Erzeugerinnen und Erzeuger und eine Vielzahl von öffentlichen und privaten Gütern für die Bürger und deren Umwelt samt funktionierendem Ökosystem bereitstellt.

Download Artikel von Dirk Hillerkus in "Junge.Kirche"

Randstreifen machen Insekten glücklich

Erbsenfenster als Brutstätte für Feldlerchen. Foto: Hillerkus

Naturschutz und konventionelle Landwirtschaft

Die Evangelische Kirche von Westfalen möchte mehr Kirchenpachtland nach ökologischen Kriterien verpachten. Dazu hat die Landeskirche in Zusammenarbeit mit der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe eine Handreichung für Kirchengemeinden veröffentlicht.

In diesem Rahmen fand eine Exkursion zur Besichtigung von Naturschutzmaßnahmen des sogenannten FRANZ Projektes, was für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft steht, auf dem Betrieb von Morsey-Picard in Halle-Hesseln statt. Dazu hatten der Referent für nachhaltige Landwirtschaft und der Umweltbeauftragte des Kirchenkreises Halle eine Gruppe Interessierter eingeladen. Mit einem Planwagen hat sich die Gruppe auf den Weg durch Hesselner Felder und Wiesen gemacht, unter der Führung des Betriebsleiters, Herr von  Morsey-Picard und dem FRANZ-Projekt Betriebsberater, Herrn Hendrik Specht. Verschiedene Naturschutzmaßnahmen wurden präsentiert. Dazu zählt z.B. ein extensiv genutzter Streifen eines Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen) Feldes. Hier wurde komplett auf den Einsatz von Dünger und Pestiziden verzichtet, weshalb zwischen der doppelt so breit platzierten Saat auch Kornblumen, Kamille und andere Wildkräuter zum Vorschein kommen, was auch die Feldlerche zu schätzen weiß. Gleiches gilt auch für ein mitten im Feld befindliches, 40 mal 40 Meter großes „Fenster“ mit Erbsen, das bis zur erneuten Bewirtschaftung im Frühjahr nicht bearbeitet wird.  Dies sind gute Bedingungen, damit Feldlerchen dort ihre Brutstätte errichten. Weitere Naturschutzmaßnahmen wie ein Altgrasstreifen als Rückzugsort für Insekten und als Nahrungsquelle für Feldvögel standen ebenso auf dem Besichtigungsprogramm wie strukturreiche Blühstreifen mit niedrigwüchsiger Blühmischung und langanhaltender Blühphase, die Nahrung und Lebensraum für Insekten und Wildtiere bieten. Der Betrieb Morsey-Picard geht auch in der Fruchtfolgegestaltung neue Wege, wie z.B. beim Anlegen von sogenannten Mischkulturen wie Mais mit Stangenbohnen.

Infotafeln zu Naturschutzmaßnahmen. Foto: Hillerkus
Mehrjährige Einsaat, keine landwirtschaftliche Nutzung. Foto: Hillerkus

Nach der  eindrucksvollen und informativen Feldrundfahrt waren alle Teilnehmenden zu einer Abschlussdiskussion und kleinem Imbiss in die Räume des Kirchenkreises Halle eingeladen, wo angeregt weiter diskutiert wurde. Alle Anwesenden waren sich einig, dass zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität eine weitere Ökologisierung der Landwirtschaft stattfinden muss. Der Betrieb von Morsey-Picard gehört mit seinem Engagement zu den Leuchttürmen in diesem Bereich.

 

 

Kriterien für die Verpachtung von Kirchenland in der Evangelischen Kirche von Westfalen

Eine Handreichung

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat nach intensiven Diskussionen mit Landwirt*innen, Kirchenmitgliedern und zivilgesellschaftlichen Gruppen eine Handreichung: “Kriterien zur Verpachtung von Kirchenland in der Evangelischen Kirche von Westfalen“ erarbeitet. Die Broschüre wurde in enger Kooperation mit dem Projekt Fairpachten der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe erstellt. 

Die Handreichung gibt Presbyterien und Gemeindeleitungen praktische und praxisnahe Tipps für die Verpachtung ihres Kirchenlandes mit dem Schwerpunkt: „Wie kann Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen erhalten und gefördert werden“.

Download der Handreichung
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Zukunftsfähige Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeit

Ein Beitrag zur Diskussion

Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) engagiert sich seit Jahren in Arbeitsfeldern wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, ländliche Entwicklung, Kirche im ländlichen Raum und Agrarpolitik. Das Papier ist erfreulich rege von und mit Landwirten und Umweltverbänden diskutiert worden, so dass wir für die zweite Auflage einige Ergänzungen haben aufnehmen können. Die Evangelische Kirche von Westfalen möchte die gesellschaftlich dringend notwendige Diskussion um eine zukunftsfähige Landwirtschaft auch weiterhin befördern.

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