Newsletter Mai 2016

Inhaltsverzeichnis

Editorial


Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hoffe Sie hatten – trotz Kälte, Regen und teilweise Schnee - schöne Pfingsttage!

Vielleicht ist es Ihnen ähnlich ergangen. Vieles von dem, was wir uns für die Feiertage vorgenommen hatten, fiel buchstäblich ins Wasser. Aber: Endlich hatte ich Zeit, den Stapel von Tageszeitungen und Magazinen, der sich in meinem Arbeitszimmer angesammelt hatte, zu "bearbeiten".
Wie wäre es, so kam mir bei der Lektüre der Gedanke, wenn "Pfingsten" sich nicht nur als Feiertag, sondern ganz konkret, hier und heute in Europa ereignen würde? Wäre das nicht die Umsetzung der europäischen Vision, von der wir uns derzeit immer weiter entfernen?
Menschen, die zwar nicht die gleiche Sprache sprechen, beginnen einander zu verstehen! Sie werden frei, Sprach- und Kulturgrenzen zu überwinden, auch Ängste und Vorurteile gegenüber dem Fremden und den Fremden. Gemeinsame Werte werden (wieder-)entdeckt und tragen. Die Achtung der Menschenwürde ist selbstverständlich, auch die Solidarität gegenüber jenen, die alles verloren haben, die schwach sind, nicht mithalten können, jenen, die den "Leistungsstandards" nicht entsprechen.

Pfingsten hält Europa den Spiegel vor.

Nicht das Verbindende in der Vielfalt wird derzeit gesucht, sondern das Trennende, das Abgrenzende, das Abschottende. Nicht nur an den europäischen Außengrenzen, sondern auch im innereuropäischen Gefüge. Nationale Eigeninteressen dominieren. Das europäische Versagen bei der Aufnahme und der Verteilung von Flüchtlingen, der schleichende Abbau des Schengenraums, die reale Möglichkeit eines Brexits (Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union), stehen für bedrohliche Auflösungserscheinungen. Eine Ellbogenfreiheit auf Kosten anderer setzt sich durch. Diese "Freiheit" macht der Mitmenschlichkeit den Garaus.
Apropos "Freiheit"! Was bedeutet eigentlich "frei" im zwischen Europa und den USA verhandelten "Frei"handelsabkommen? Die Be"frei"ung des Handels von sinnlosen Restriktionen zugunsten aller Markteilnehmer, Produzenten und Konsumenten, diese Befreiung wäre sicherlich erstrebenswert. Nicht erst die TTIP-Leaks zeigen, dass die "Freiheit" im "Frei"handelsabkommen zu Lasten vieler gehen soll. Über Jahrzehnte erkämpfte Umwelt-, Sozial- und Verbraucherstandards könnten durch TTIP zu Handelshemmnissen werden. Gegen demokratisch getroffene Regierungsentscheidungen könnten bald Unternehmen vor wenig transparenten Schiedsgerichten klagen und Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe durchsetzen. Unternehmensinteressen würden über gesellschaftliche Interessen gestellt.

Pfingsten hält Europa, den Spiegel vor.

Ich wünsche Europa einen "pfingstlichen" Geist, der das Verbindende in der Vielfalt sucht und nicht das Trennende, Abschottende und Abgrenzende. Dazu gehört auch ein Verständnis von Freiheit, das nicht zu Lasten der Schwachen geht, sondern verbunden ist mit der Verantwortung für die nahen und fernen Nächsten, gleich welcher Kultur und Religion.

Ihnen wünsche ich viel Spaß beim Lesen dieses Newsletters!

Ihr Klaus Breyer
Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft

Villigster Anmerkungen zum solidarischen Europa

Die schleichende Europäisierung der Sozialpolitik


Laut EU-Verträgen bleibt die Sozialpolitik im Kern eine Domäne der Mitgliedsstaaten. Die EU hat hier nur begrenzten Einfluss, darf ab und zu harmonisieren und auch mal Mindeststandards setzten. Soweit die landläufige Meinung. Aber weit gefehlt! Über andere Politikfelder nimmt die EU mitunter massiven Einfluss auf die nationale und regionale Sozialpolitik in den einzelnen Mitgliedsstaaten.

Beispiel: die EU-Kohäsionspolitik.
Über den Europäischen Sozialfonds (ESF), den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) strebt die EU eine Harmonisierung der Lebensverhältnisse innerhalb der Gemeinschaft an. Diese EU-Fonds sind inzwischen zu einem wesentlichen Bestandteil der Sozialpolitik in den Mitgliedsstaaten geworden, vor allem auf regionaler Ebene. Selbst in Deutschland, in reichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, sind es oft diese EU-Fonds, die der Landesregierung überhaupt noch einen eigenen, wenn auch kleinen sozialpolitischen Handlungsspielraum lassen.  Allerdings muss für jeden Fonds ein sogenanntes Operationelles Programm (OP) mit der EU Kommission ausgehandelt werden. Und die gibt als Geldgeberin immer die Struktur sowie die übergeordnete Strategie der OPs vor. Die Folgen? In einem seit Jahren anhaltenden Prozess setzt die EU-Kommission ihre an Wachstum und Binnenmarkt orientierten  Vorstellungen von Sozialpolitik mit Hilfe der unzähligen OPs in allen Mitgliedsstaaten mehr und mehr durch. Die einzelnen Regierungen versuchen zwar immer wieder, ihre eigenen sozialpolitischen Vorstellungen in das von der EU vorgegebene, enge Korsett zu zwängen, und verbuchen hier auch durchaus Erfolge. Langfristig aber wird sich der strukturelle Einfluss der EU durchsetzen. Es kommt zu einer schleichenden Europäisierung der Sozialpolitik.    

Ach, und die Kirchen? In den evangelischen Landeskirchen gibt es zwar hin und wieder hauptamtliche Beschäftigte, die kirchliche Positionen zur Sozialpolitik – meist in Abstimmung mit den Wohlfahrtsverbänden – in die entsprechenden politischen Gremien einspeisen. Und das EKD-Büro in Brüssel bleibt an den Verhandlungen auf europäischer Ebene dran. Insgesamt sind dies aber die bekannten Tropfen auf den heißen Stein. Wenn die Kirchen tatsächlich Einfluss auf die zukünftige EU-Sozialpolitik nehmen möchten, müssen sie bei der EU-Kohäsionspolitik nicht nur eine Schippe drauf legen!

Kontakt:
Dr. Jürgen Born
juergen.born(at)kircheundgesellschaft.de

Europa

Referendum in Großbritannien: 67% sagen JA zu Europa!


Ach, die gute alte Zeit, damals im Juni 1975. Im Land der absoluten Parlamentssouveränität waren die britischen Wähler erstmals aufgefordert, in einem Referendum Regierungshandeln abzusegnen. Zwei Jahre zuvor, 1973, hatten die Konservativen unter ihrem Premier Edward Heath Großbritannien in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft geführt. Nun war Labour wieder dran, und deren Basis passte das liberale europäische Wirtschaftsmodell so gar nicht in den Kram. Die Bevölkerung jedoch bestätigt den Beitritt mit einer Zustimmungsrate, die heute nahezu fabulös wirkt - 67%! mehr ...

Klima

Weite wirkt ... im Klimazelt


Das Weite-wirkt-Festival Das Weite-wirkt-Festival im Gerry-Weber-Stadion in Halle vom 06.-08. Mai war sowohl ein großes Fest bei herrlichem Wetter als auch eine deutliche Zeitansage des Protestantismus ein Jahr vor dem Reformationsjubiläum.

Der Klimawandel und das Engagement für eine weltweite Klimagerechtigkeit" war sicherlich eines der prägenden Themen des Festivals.
Das Institut für Kirche und Gesellschaft hat ein 300 m² großes Veranstaltungszelt zu dem Thema organisiert und 11 weitere Aussteller eingeladen, ihre Ideen, Konzepte und Projekte zu präsentieren. mehr ...

Gesundheit

Neuer Arbeitsschwerpunkt Arbeit und Gesundheit


Seit Beginn des Jahres gilt das Präventionsgesetz, das gesundheits-
orientierte Rahmenbedingungen oder Verhältnisse wie auch gesundheitsorientiertes Verhalten fördern soll.
Auf der Tagesordnung vieler Unternehmen steht das Thema Gesundheitsmanagement. Es umfasst sinnvoller Weise sowohl verhaltensorientierte wie verhältnisorientierte Maßnahmen.
Verhaltensorientierte Maßnahmen zielen auf Gesundheitsförderung bei Einzelnen ab, z. B. gesunde Ernährung, Sport, Entspannung. mehr ...

Frauen und Männer

Und ob ich schon wanderte ...


Haupttagung der Männerarbeit der Evangelischen Kirche Deutschland

"Der Psalm 23 ist auch eine Migrationsgeschichte", so Präses Kurschuss in ihrer Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Haupttagung der Männerarbeit der EKD. „Das christliche Selbstverständnis lässt gar nichts anderes zu, als offen auf Geflüchtete zu zugehen und sich für die Integration stark zu machen.“ 

Den Auftakt der Tagung, die in diesem Jahr in der Evangelischen Kirche von Westfalen zu Gast war, bildete neben dem geistlichen Beginn, der das Jahresthema der Männerarbeit „Und ob ich schon wanderte (Ps 23) – sich von seiner Sehnsucht finden lassen“ aufgriff,  eine Diskussion mit dem Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW, Rainer Schmeltzer, und der Präses der EKvW, Annette Kurschus, zum Thema "Gendersensible Flüchtlingspolitik". mehr ...

Männer haben mehr verdient


Landesmännnerpfarrer Martin Treichel will sich verstärkt an die 40- bis 60-jährigen wenden. Schwierigkeiten bei der Rollenfindung ein wichtiges Thema

Das ist eben der Trend. Einst  stand  der  Mann  überall  im Mittelpunkt. Seit den 1960ern und 1970ern  begehrte   der  weibliche Teil der Bevölkerung auf,  gründete Frauengruppen und krempelte die Gesellschaft zu weiten Teilen um. Und seit ein paar Jahren gelten die Männer als Problem: Jungen sind Bildungsverlierer, haben  eine geringere Lebenserwartung und sind als Erwachsene  ihrer  Rolle unsi­cher  geworden.  Seitdem  gibt  es Männergruppen.  Und  deshalb hat die Evangelische Kirche von West­falen einen Landesmännerpfarrer. mehr ...

Dümmlich, nackt und willig?


Sexismus in der Werbung

Wir sitzen beim Frühstück, ich schlage die Zeitung auf, eine Werbung fällt raus. Eine junge Frau mit breitem Mund und großen Brüsten grinst mich an. Die Frau trägt eine schwarze Brille. Daneben der Satz: "Jetzt zum Sehtest!" -
"Komisch", sagt meine Tochter, "Wieso Sehtest? Den Busen sieht man doch auch ohne Brille!" "Genau!", denke ich und versuche mich über diesen Sexismus in der Werbung nicht aufzuregen. mehr ...

Der Marlboro Mann ist tot


Sexismus in der Werbung

Der Marlboro-Mann ist tot. Wahrscheinlich an Lungenkrebs verstorben. Oder an Einsamkeit. Jahrzehntelang war er das Sinnbild für einen bestimmten Männertypus in der Werbung: der harte Cowboy am Feuer, allein in der Prärie, souveräner Herr über alle Gefahren. Vor einiger Zeit hat ihn Marlboro mitsamt Pferd aus dem Verkehr gezogen. Irgendwie schien seine Zeit wohl abgelaufen. Und so hat man ihn stillschweigend beerdigt. Der Wick MediNait-Mann lebt. Aber es geht ihm schlecht. mehr ...

Soziales

So trist soll es nicht bleiben


Institut für Kirche und Gesellschaft startet Projekt im Ruhrgebiet

"Herr Pastor, Sie müssen mir helfen. Mein Mann ist arbeitslos, wir kommen grade so über die Runden. Aber jetzt haben wir die Abrechnung von den Stadtwerken bekommen. Wir müssen 400 Euro Strom nachzahlen. Ich weiß nicht, wie wir das machen sollen!" So beginnen häufig Gespräche in Kirchengemeinden und an Pfarrhaustüren. mehr ...

Tipps und Termine

Crash der Kulturen und Religionen?


Weiterbildung für den herkunftssprachlichen Unterricht 

04. - 05. Juni 2016
Haus Villigst, Schwerte

Das Grenzgebiet der Türkei zu Syrien und zum Irak ist zu einem Pulverfass geworden, in dem Gewalt und Krieg den Alltag der Menschen prägen. In diesem Seminar suchen wir das Gespräch zwischen Menschen, die sich unterschiedlichen 
Konfliktparteien verbunden fühlen. Dabei schauen wir auch in die Geschichte der Konflikte und fragen uns, wie wir ungeachtet aller Scharfmacher in Deutschland friedlich miteinander leben können.
Am zweiten Seminartag geht es um Fragen des herkunftssprachlichen Unterrichts. Dieses Seminar wird in Kooperation mit dem Verein der Lehrerinnen und Lehrer aus der Türkei (NRW-TÖB) und der Evangelischen Akademie Villigst durchgeführt.

Weitere Informationen und Anmeldung

Konkurrenzen und Allianzen


Konferenz der Synodalbeauftragten für Flüchtlingsarbeit der EKvW

11. Juni 2016
Haus Villigst, Schwerte

Die Evangelische Kirche von Westfalen lädt herzlich ein zur nächsten Konferenz der Synodalbeauftragten für Flüchtlingsarbeit. Das Engagement für Geflüchtete in den Kirchengemeinden und Kommunen ist ungebrochen. Inzwischen fließen aus vielen Töpfen Fördermittel; Programme von EU, Bund, Land, Kommunen und Stiftungen ermöglichen die Schaffung von Stellen oder die Einrichtung von Projekten.
Pfarrer Martin Wehn, theologischer Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, wird in seinem Impuls Beispiele aus der Praxis liefern und grundsätzliche Überlegungen für hilfreiche Strategien vorstellen.
Beim Austausch im Plenum werden wir die Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort zusammentragen und auswerten.
Wir hoffen, dass Sie so viele Impulse und Erkenntnisse gewinnen und in Ihrer Arbeit vor Ort gestärkt werden und freuen uns auf möglichst breite Beteiligung aus vielen Kirchenkreisen, Ämtern und Werken.

Weitere Informationen und Anmeldung

Sophias Schwestern philosophieren im Grünen


24. - 26. Juni 2016
Sauerland

Es gab sie und es gibt sie immer noch: die Weisheit kluger Frauen! Wir entdecken die Gedanken von "Sophias Schwestern" und philosophieren selbst über den Sinn und Unsinn des Lebens. Christina Brudereck, Theologin und Autorin, leitet euch zum Schreiben eigener Texte an. Nicole Richter, Frauenreferat der EKvW, eröffnet die Welt weiser Frauen und lehrt Yoga. Ein Wochenende an einem wundervollen Ort im Sauerland mit Zeit zum Nachdenken, austauschen, verschwestern, vegetarisch kochen, beten, singen und feiern – für alles das wird Zeit sein! Für interessierte Frauen ab 25 Jahren.

Weitere Informationen und Anmeldung

Interview aus UK Nr. 19 vom 08. Mai 2016
Nicole Richter vom Frauenreferat der EKvW im Gespräch mit der Theologin und Autorin Christina Brudereck

Wildnis. Spannung. Abenteuer.

© Andreas P Fotolia FB IV

Abenteuerliche Wochenenden für Väter und Kinder
Bei der Vater-Kind-Agentur stehen im Jahr 2016 spannende Wochenenden auf dem Programm. Sie wenden sich gezielt an Väter mit Kindern im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Da ist sicher für jeden was dabei!

Tagungssekretariat
Andrea Winsel
Fon: 02304 755 373
andrea.winsel(at)kircheundgesellschaft.de

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Weitere Informationen zu den Wochenenden und zur Anmeldung finden Sie im Programmflyer

Ein Wochenende für Einelternfamilien


02. - 04. September 2016
Ponyhof Hilbeck, Werl

Paarfamilie, Einelternfamilie, Patchworkfamilie, mit oder ohne Trauschein, gleich- oder gemischtgeschlechtlich, eigene oder gemeinsame Kinder: Familie ist bunt!
An diesem Wochenende wollen wir über die Bilder von Familie in unseren Köpfen zusammen nachdenken und diskutieren. Was macht eigentlich eine Familie aus? Aus welcher Familie kommen wir? Wie leben wir Familie heute? Und welche Rahmenbedingungen brauchen wir, damit es uns mit unserer Familie gut geht?

Weitere Informationen und Anmeldung

Mensch sein - mit Leib und Seele!


Ein Genderseminar im Weinberg

30. September - 03. Oktober 2016
Lorch am Rhein

Mensch sein heißt in Beziehung sein: mit sich, mit anderen und mit Gott. Diese Erntedanktage sind gefüllt mit Wanderungen, Mitarbeit im Weinberg und der Suche nach Spuren Gottes in unserem Leben als Frau und Mann.

Weitere Informationen finden Sie im Programmflyer.

 
Institut für Kirche und Gesellschaft
der Evangelischen Kirche von Westfalen


Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte
Telefon: 0 23 04 / 755 - 332
Telefax: 0 23 04 / 755 - 318

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