"Wirtschaft, Arbeit und Soziales", November 2020

INHALTSVERZEICHNIS

AKTUELLES

Alles ist anders …

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Nicht alles ist schlechter
Zum zweiten Mal in diesem Jahr gehen wir nicht ins Kino, nicht ins Theater, nicht shoppen. Wir feiern keine Party, kein Jubiläum. Der gemütliche Nachmittag mit Freundinnen fällt aus. Keine Besuche, kein Sport. Spazierengehen erfreut sich großen Interesses. Das ist – noch – erlaubt. Sogar mit mehreren. Und außerdem ist es gesund.
Alles ist anders. Und längst nicht alles ist schlechter! Auf vermeintlich freier Strecke jetzt der erzwungene Halt. Oder zumindest eine heftige Reduktion der Geschwindigkeit. Leere Straßen, leere Plätze. Ein bisschen Entschleunigung. Mehr Wertschätzung für manche kleinen Dinge.
Was machen wir jetzt eigentlich? Uns langweilen? Uns ängstigen? Beides ein bisschen vielleicht.
Niemand braucht dieses Virus. Niemand braucht eine Pandemie dieses Ausmaßes. Niemand braucht eine veritable Wirtschaftskrise. Aber vielleicht bedarf es dieser besonderen Herausforderung, damit wir erleben: Es geht auch anders als immer schneller und immer höher und immer weiter.
Ich bin sehr gespannt, wie wir auf diese Erfahrung zurückblicken werden. Es wäre doch gut, wenn Covid-19 uns endlich dazu brächte, das Wirtschaftssystem neu zu justieren, wenn die Zeiten auf "Sparflamme" uns Mut machten, insgesamt "bescheidener" zu agieren und zu wirtschaften. Der CO2-Ausstoß wird jedenfalls geringer sein in diesem Jahr. Gut so!
Wie viele Unternehmen nicht überleben und wie viele Menschen ohne Arbeit sein werden, kann noch niemand absehen. Die Einschnitte werden auf jeden Fall erheblich sein. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sorgen sich um die Zukunft, kleine Unternehmen, Soloselbstständige, freischaffende Künstlerinnen und Künstler … Viele Menschen sind in existenzieller Sorge um ihre Zukunft. Unterstützende Maßnahmen auf Landes- und Bundesebene werden hoffentlich unbürokratisch und effektiv helfen. Und hoffentlich werden Motivation und Kreativität groß sein, am Ende der Krise neue Wege zu beschreiten. Wir könnten die Chance haben, unsere Gesellschaft vernünftiger und gerechter aufzustellen.
Jetzt aber geht es darum, sich sehr solidarisch so zu verhalten, dass die Verbreitung des Virus möglichst gut eingeschränkt wird. Wer gesundheitlich vorbelastet ist, braucht besonderen Schutz. Viele, die in unserem System viel zu wenig Wertschätzung und in der Regel auch einen viel zu geringen Lohn bekommen, erweisen sich jetzt als unabkömmliche, als notwendige, als das Gesamtgefüge aufrechterhaltende Personen. Dass wir das im Moment so deutlich spüren, muss (!) Konsequenzen für die künftige Bewertung dieser so bedeutsamen Arbeit haben.
Die meisten von uns hätten sich vor kurzem nicht vorstellen können, dass das öffentliche Leben so runtergefahren werden könnte. Und wir hätten uns auch nicht vorstellen können, dass die meisten die Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte so klaglos hinnehmen. Die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen sind hoch problematisch – aber wir werden sorgfältig darauf achten müssen, dass von diesen Rechten kein noch so kleines verlorengeht!
Wir haben viel gelernt in den letzten Monaten. Digitale Formate bei Bildungsveranstaltungen oder Sitzungen sind selbstverständlich geworden. Die guten Möglichkeiten moderner Kommunikation bewähren sich. Auch für die Kirchen. Wir brauchen viel Zuversicht und viel Kraft in diesen Wochen. Internet und Telefon sind kein Ersatz für Live-Kontakte, aber sie lindern die Kontakteinschränkungen. An manchen Stellen erweisen sie sich gar als die bessere Alternative, die auch künftig sinnvoll sein wird. Gut ist, dass Seelsorgerinnen und Seelsorger ansprechbar bleiben und dass gerade jetzt alle Kanäle genutzt werden, um Andachten, Gottesdienste, Gebete miteinander zu teilen.
Alles ist anders. Auch die Adventszeit in diesem Jahr: keine Weihnachtsmärkte, keine Weihnachtsessen im Restaurant, kein Weihnachtskonzert …  Auch kein „Hetzen von Besinnung zu Besinnung“. Vielleicht birgt der Advent 2020 eine gute Chance, sich in Ruhe auf Weihnachten vorzubereiten.
Gott kommt in die Welt. Ob wir in gewohnter Weise das Fest feiern oder diesmal anders und nachdenklicher und weniger selbstverständlich. Hoffentlich spüren Menschen seine Nähe gerade in diesen besonderen Zeiten.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünschen wir Ihnen
Heike Hilgendiek, Landessozialpfarrerin

CORONA UND HOME-OFFICE

Auch freilaufende Hühner legen Eier

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Corona und Home-Office
Arbeitsrealität für viele im Jahr 2020: Man arbeitet nicht wie gewohnt statisch in dem Büro, das der Arbeitgeber an einem bestimmten Ort zur Verfügung stellt, sondern ganz oder teilweise ortsungebunden, zu Hause. Dann wird häufig von "Home-Office" gesprochen.

Der Begriff Home-Office ist gesetzlich nicht definiert. Damit wird umgangssprachlich die Situation beschrieben, dass ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin zumindest ein Teil der Arbeitsleistung - häufig Bürotätigkeiten - von der privaten Wohnung aus erbringt.
Man weiß, was damit gemeint ist, aber juristisch ist der Begriff nicht immer zutreffend.

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NEUES AUS DEM PROJEKT EYES

EYES-Workshop bei der Europäischen Woche der Städte und Regionen 2020


Kohäsionspolitik mit und für alle Bürger*innen
Vom 5. bis 22. Oktober 2020 fand die Europäische Woche der Städte und Regionen, die größte Veranstaltung der EU zum Thema Regionalpolitik, statt - dieses Jahr erstmals online. Gemeinsam mit dem Partnerprojekt IMAGINE organisierte EYES am 13. Oktober den Workshop "Empowering Europe's vulnerable Youth!". Weitere Partner waren das EKD-Büro Brüssel, die Europäische Metropole Lille (Frankreich), das Bureau économique der Provinz Namur (Belgien) und der Surrey County Council (Vereinigtes Königreich).

"Co-production is a key mechanism to deliver a cohesion policy not only for citizens but also with citizens."
Vincent O'Connell, Surrey County Council, UK

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Enter to transform


Institut für Kirche und Gesellschaft ist Partner im transnationalen EU-Projekt

Das Interreg NWE-Projekt "Enter to transform (Transformational Entrepreneurship Hubs for Recognized Refugee Re-starters" möchte die Anzahl von Unternehmensgründungen durch anerkannte Flüchtlinge erhöhen. Zur Zielgruppe gehören Personen, die einen unternehmerischen Background haben und in der EU einen Neustart wagen. Anerkannte Flüchtlinge mit Unternehmenserfahrung aus der Heimat verfügen zwar oft über ein hohes Potenzial für einen Neustart, benötigen meist aber spezifisches Mentoring, um sich in der hiesigen Unternehmenswelt schneller zurecht zu finden.

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Transnationale Studie unterstützt den Empowerment-Ansatz von EYES


Die transnationale Studie "Key lessons for supporting youth in their steps to work" kommt für das EU-Projekt EYES (Empowering Youth through Entrepreneurial Skills) zur richtigen Zeit. Sie unterstützt die Projektpartner in ihrem Bestreben, benachteiligte junge Menschen wieder zurück auf den Arbeitsmarkt zu bringen. Dazu leitet die Universität Tilburg geeignete Erfolgsfaktoren aus einer Vielzahl von internationalen Studien zum Thema Arbeitsmarkpolitik für junge Menschen ab. Zu den Erfolgsfaktoren gehören unter anderem ein präventiver Ansatz durch frühes Eingreifen, eine individuelle Förderung, ein integriertes Vorgehen sowie konkrete Angebote zur  Wiedereinstieg. Genau daran orientiert sich auch der Ansatz von EYES, der zudem in einem transnationalen Beteiligungsverfahren (Co-design) entwickelt wird.

Der vollständige Bericht

Weitere Informationen: Dr. Jürgen Born

EYES wird Partner von #Socialinterreg


Eine ganze Bandbreite von transnationalen EU-Projekten hat sich zusammengeschlossen, um die Förderung von sozialer Innovation auf europäischer Ebene zu verbessern und zu erweitern. Dabei handelt es sich überwiegend um Projekte aus dem transnationalen und relativ gut ausgestatten EU-Programm Interreg, das intensive Kooperation von EU-Mitgliedsstaaten im Rahmen der Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ) fördert. Die beteiligten Projekte kommen aus unterschiedlichen europäischen Regionen, in denen die Förderbedingungen erheblich voneinander abweichen können. So vertritt EYES die Region Nordwesteuropa, der Initiator von #Socialinterreg kommt hingegen aus Norddeutschland und ist damit stark in der Region Ostseeraum verankert.

Konkretes Ziel der Vernetzung ist es, die aus den Projekten gewonnene Expertise gemeinsam auszuwerten und daraus Handlungsempfehlungen für die künftige Gestaltung der EU-Förderprogramme abzuleiten. Bisher zielt die europäische Förderlandschaft vor allem auf Wissenschaft und Technologie. #Socialinterreg möchte hingegen den Stellenwert von Sozialer Innovation auch auf transnationaler Ebene stärken, um die EU-Kohäsionspolitik gezielter an den unmittelbaren Bedürfnissen ihrer Bürgerinnen und Bürger ausrichten zu können.

Auf der Homepage von #Socialinterreg stellen sich einige der teilnehmenden Projekte vor und ermöglichen so einen guten Einstieg in die förderpolitischen Herausforderungen der Initiative.

Weitere Informationen: Dr. Jürgen Born

NACHRUF AUF EDUARD WÖRMANN

Eduard Wörmann 1930 – 2020

(c)Foto privat

"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." (Psalm 90,12)

So ist der Ewigkeitssonntag überschrieben. Im Wissen um die Endlichkeit des irdischen Lebens und in der Hoffnung auf neues Leben in Fülle bei Gott ist Eduard Wörmann in der Nacht des Ewigkeitssonntags im Alter von 90 Jahren gestorben.

Wir erinnern uns mit großem Respekt an den Mann, der mehr als ein Vierteljahrhundert lang (von 1969 bis 1995) das "Sozialamt" der Evangelischen Kirche von Westfalen, also das Amt für Industrie- und Sozialarbeit, geleitet hat.
Ihm lag die "Humanisierung der Arbeitswelt" am Herzen. Die Gemeinsame Sozialarbeit der Konfessionen (GSA) hat er in Zusammenarbeit mit der Ruhrkohle und anderen Unternehmen geprägt, die Veränderungsprozesse in Unternehmen begleitet. Immer hat er die Menschen im Blick gehabt, die besonders belastet waren, die zuweilen eher am Rand der Gesellschaft standen: Er hat maßgeblich zur Entwicklung des Programms mit gezielten Hilfen für Langzeitarbeitslose beigetragen und weiteres arbeitsmarktpolitisches Engagement der Kirche beispielsweise in Beschäftigungsprojekten gefördert. Ihm lag daran, dass Betroffene wirklich Beteiligte sind, und so hat er dafür gesorgt, dass Erwerbslose Bildungsveranstaltungen mit gestalten und verantworten konnten.
Auch auf EKD-Ebene hat er sich als Mitglied der Sozialkammer und als Beauftragter für Fragen der Arbeitslosigkeit eingesetzt. Die Vernetzung von Gewerkschaften, Arbeitsgebern, Kirche, Politik und Wohlfahrtsverbänden hat er mitgestaltet - zum Wohl derer, die der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.
In seiner Verantwortung im Sozialamt hat er neue Formate entwickelt - zum Beispiel Eheseminare für Strafgefangene. Er war Mitglied des Beirats der Justizvollzugsanstalt Werl und hat unter anderem aus dieser Arbeit ein großes Interesse an der forensischen Psychiatrie entwickelt und auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand maßgeblich am Initiativkreis "Sicherheit durch Therapie im Maßregelvollzug" mitgewirkt. Die Arbeit des Instituts für Kirche und Gesellschaft hat er bis zuletzt interessiert verfolgt.

An vielen Stellen ist Eduard Wörmann Mahner gewesen, gleichzeitig Vermittler zwischen den unterschiedlichen Positionen und doch immer auf der Seite der Benachteiligten. Die gesellschaftspolitische Dimension kirchlichen Handelns hat er stets nach vorn gestellt und die aktuellen Herausforderungen gern und aktiv angenommen.

Für sein Wirken sind wir sehr dankbar.
Wir wissen ihn nun geborgen in Gottes Hand.

Pfarrer Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft
Heike Hilgendiek, Landessozialpfarrerin der Evangelischen Kirche von Westfalen

 
Institut für Kirche und Gesellschaft
der Evangelischen Kirche von Westfalen


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